Der Artikel “Oma auf dem Flatscreen” von Hatice Akyün hat mich daran erinnert, wie das früher bei uns war mit der Kommunikation.
Da gab es in jedem Haushalt eigentlich nur ein Telefon für alle. Und wenn man bei Freunden anrufen wollte, musste man sich erst mal mit vollem Namen identifizieren und meistens noch ein kurzes Gespräch über sich ergehen lassen, bevor man dann lauschen durfte, wie derjenige, den man sprechen wollte, zum Telefon gebrüllt wurde. Keine Rufnummernanzeige, kein “Ich bins!”, und wenn man das doch mal gesagt hat, weil man meinte, eine Freundin an der Stimme erkannt zu haben, dann war garantiert doch die Mutter dran, und mit 10 war einem sowas sehr peinlich. (Mir zumindest.)
Wir waren mit die ersten in meiner Umgebung, die dann so eine ISDN-Anlage oder etwas in der Art hatten (was genau es war, weiß ich nicht mehr, das hat mich damals nicht interessiert) und eigene Telefone ins Zimmer bekommen haben, das war was ganz Besonderes. Fortan musste jeder Telefonnummer eine 0 vorangestellt werden. Und man konnte in der Wohnung herumtelefonieren! Das war zwar relativ sinnlos, weil man gleichzeitig mit dem anderen Ohr den Gesprächspartner nebenan hören konnte, aber es war trotzdem toll. Wir haben es ausgiebig genutzt. Ich weiß sogar noch die internen Wahlnummern der anderen Zimmer.
Und ich weiß auch heute noch die Nummer meiner Freundin, die ich damals am häufigsten angerufen habe (ja, deine, Meike). Und ich habe alle Nummern fein säuberlich in so viele Telefonbücher und Kalender eingetragen, dass ich alle im Kopf hatte, selbst welche, die ich nie angerufen habe.
Heute weiß ich fast gar keine Nummern mehr auswendig. Ich suche im Handy oder auch im (schnurlosen) Festnetztelefon nach dem Namen der Person, mit der ich sprechen will und drücke den grünen Knopf. Außerdem haben alle ständig neue Nummern, sie ziehen um, unterschreiben einen neuen Handy-Vertrag, kaufen sich eine Prepaid-Karte, etc. Irgendwann habe ich es aufgegeben, Handynummern auswendig zu lernen. Ich kann bloß drei. Meine eigene und die der beiden Menschen, die im Gegensatz zu allen anderen ihre Nummer schon ganz lange nicht geändert haben.
Irgendwann hatten wir damals auch das erste Handy. Das war ungefähr so groß wie die Telefonzellen heute und ich weiß noch, dass irgendwas daran ständig grün blinkte. Und man musste eine Antenne ausfahren, wenn man telefonieren wollte. Über die Preise habe ich mir keine Gedanken gemacht, da das Handy dem Vater o.g. Freundin gehörte und die den Ärger bekommen hat für alles, was wir damit gemacht haben. Genauso wie später mit dem ersten Internet-Anschluß, über den wir ausgiebig (und vermutlich nicht ganz billig) den AOL-Chat besucht haben. Mit einem Modem, das auf der Rückseite einen Kippschalter hatte und diese Rauschgeräusche machte, bei denen man richtig meinte, die Daten durch die Leitungen flitzen zu hören. Herrlich. Wir haben uns gefreut wie die Schneekönige, wenn wir das Ding haben durften, um mit irgendwelchen Wildfremden über irgendwelchen Unsinn zu reden. Vorausgesetzt, man bekam überhaupt eine Verbindung.
Vor einer Weile hatte ich dann mal einen nostalgischen Anfall und habe mir bei einer Keller-Entrümpelung ein altes Telefon mit Wählscheibe geschnappt. Aber das ist schnell wieder in der Ecke gelandet. So was Nerviges! Es gibt schon gute Gründe, sich so was nicht mehr freiwillig hinzustellen. Man kann einfach nicht mal schnell irgendwo anrufen. Und wehe, man nimmt am Ende der ewig langen Handynummer dann eine falsche Ziffer. Gleich wieder von vorn anfangen! Bei einer Hotline (“…drücken Sie die Raute-Taste”) habe ich es dann aufgegeben und mein Mehrfrequenzwahl-fähiges kabelloses Telefon wieder rausgeholt. Hilft ja nix.